“Vom Größenwahn besessen”

Veröffentlicht: 10. November 2012 von infowars in Anarchie, Politik, Voluntarismus

Interview mit Hans-Hermann Hoppe.

Herr Professor Hoppe,  in Ihrer Aufsatzsammlung “Wettbewerb der Gauner” schreiben Sie, „99 Prozent der Bürger würden auf die Frage nach der Notwendigkeit des Staates mit ‚ja’ antworten“. Ich auch! Warum liege ich falsch?

Der Staat als Gangsterbande: „Politiker leben vom Geld, das sie anderen unter Gewaltandrohung abpressen – sie nennen es Steuern.“ Foto: ©GooDAura – Fotolia.com

Wir alle sind von Kind auf in staatlichen oder staatlich lizensierten Einrichtungen – Kindergärten, Schulen, Universitäten – geformt worden. Das zitierte Ergebnis ist also nicht überraschend. Aber wenn ich frage, ob Sie ‚ja’ zu einer Einrichtung sagen, die in allen Konfliktfällen einschließlich solcher in die sie selbst verwickelt ist das letzte Wort hat, so würden Sie dies sicher verneinen – es sei denn, Sie hofften selbst Inhaber dieser Institution zu sein.

Äh…richtig.

Natürlich, denn Sie wissen, dass eine derartige Einrichtung Konflikte nicht nur schlichten, sondern selbst verursachen kann, um sie dann zu ihren eigenen Gunsten zu entscheiden. Ich jedenfalls würde angesichts dessen um mein Leben und Eigentum fürchten. Doch genau dies: die letztrichterliche Entscheidungsgewalt, ist das characteristicum specificum der Institution Staat.

Stimmt, aber der Staat beruht auf einem Gesellschaftsvertrag, der dem einzelnen andererseits auch Schutz und einen gewissen Entfaltungsspielraum gibt, den er ohne den Staat – im Kampf aller gegen alle – nicht hätte.

Hans-Hermann Hoppe

Nein, der Staat ist gerade nicht das Resultat eines Vertrages! Niemand, der auch nur einen Funken Verstand hat, würde einem derartigen Vertrag zustimmen. In meinen Akten gibt es viele Verträge, aber so einer findet sich nirgends. Der Staat ist das Resultat aggressiver Gewalt und Unterwerfung. Er ist ohne jede vertragliche Basis entstanden, genauso wie eine Bande von Schutzgelderpressern. Und was den Kampf aller gegen alle betrifft so ist dies ein Mythos. Natürlich schützt ein Schutzgelderpresser seine Opfer auf „seinem“ Territorium vor anderen Erpressern, aber doch nur, um die eigenen Erpressereien umso erfolgreicher durchführen zu können. Darüber hinaus: Es sind Staaten, die allein im 20. Jahrhundert für mehrere hundert Millionen Tote und unermessliche Zerstörung verantwortlich sind. Dagegen fallen die Opfer privater Kriminalität kaum ins Gewicht. Und glauben Sie im Ernst, dass es etwa zwischen den Bewohnern des Dreiländerecks bei Basel, die ja im Zustand der Anarchie miteinander leben, mehr Konflikte gibt als zwischen denen Dortmunds und Düsseldorfs, die Einwohner ein- und desselben Staates sind? Mir ist davon nichts bekannt.

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