Archiv für 26. September 2012

Die EU will Studien zur Arzneimittelforschung am Menschen pharmafreundlicher bewilligen. Die Ärztekammer warnt vor Bruch mit ethischen Prinzipien.

von Heike Haarhoff

BERLIN taz|Die ethischen Standards für klinische Arzneimittel-Studien in der Europäischen Union sollen empfindlich aufgeweicht werden. Unabhängige Ethikkommissionen, die bislang zum Schutz der teilnehmenden Patienten vor Staats- und Industrieinteressen das Studiendesign zwingend absegnen mussten, bevor Medikamente am Menschen erforscht werden durften, sollen künftig ersatzlos entfallen. Stattdessen soll einzig das Votum der nationalen Arzneimittelbehörden darüber entscheiden, ob eine Studie stattfindet.

Das sieht ein Entwurf der EU-Kommission für eine „Verordnung über klinische Prüfungen mit Humanarzneimitteln“ vor, die die bisherige EU-Richtlinie ersetzen soll. In dem 115-seitigen Papier aus dem Haus von EU-Gesundheitskommissar John Dalli, das der taz vorliegt, werden die einschneidenden Veränderungen vor allem wirtschaftspolitisch begründet, „dass die EU ein für die Durchführung klinischer Prüfungen interessanter Standort bleibt“. Der Gesundheitsausschuss des Bundestags wird hierüber am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung beraten.

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Am britischen National Physical Laboratory (NPL) in Teddington wurde ein neues biometrisches »Gangerkennungs«-System entwickelt, das Personen an ihrem speziellen Gang wiedererkennen und dementsprechend ihren jeweiligen Aufenthaltsort feststellen kann, wenn dieser videoüberwacht wird. Gegen dieses System und seine potenzielle Anwendung im Bereich der Überwachung wurden von vielen Seiten massive Datenschutzbedenken erhoben.

 

Die Zeitschrift New Scientist berichtete, das NPL, das mit dem Zentrum für fortgeschrittene Software-Technologien (CAST), der BBC und dem Rüstungs- und Informationssicherheitskonzern BAE Systemszusammenarbeitete, habe ein neues System entwickelt, mit dessen Hilfe es möglich sei, die besondere, individuelle Gangart eines Menschen zu erfassen. Dieses Ortungssystem

kombiniert ein computergestütztes Modell des NPL-Gebäudekomplexes mit den Daten der Überwachungskameras, die sich auf dem gesamten Gelände und im Inneren der Gebäude befinden.

 

In jedem Einzelbild löst das System zunächst die Silhouette einer Person aus dem Hintergrund. Dann werden die Veränderungen der Kopfhöhe erfasst. Dieses Bewegungsmuster lässt sich dann durch eine Zahlengruppe darstellen, die mit der Identität der betreffenden Person verknüpft wird. Ein Computer kann dann eine Auflistung aller anderen Örtlichkeiten (mit einer Videoüberwachung), an der sich die betreffende Person aufgehalten hat, erstellen, die auch erfasst, wie oft sie dort gewesen ist.

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