Archiv für 13. April 2012

Analyse. In Europa soll das Bargeld abgeschafft werden. Das dient angeblich dem Kampf gegen Steuerhinterziehung. Die wahren Gründe hinter dem Krieg gegen das Bargeld dürften allerdings komplizierter sein.

Wien. Björn Ulvaeus ist ein berühmter Mann. Er war einmal ein Viertel der schwedischen Jahrhundertband Abba. Ulvaeus könnte seinen Ruhm einsetzen, um den Hunger in der Welt zu stoppen. Oder die Umweltzerstörung. Aber der Sänger hat sich einer anderen Sache verschrieben: Er will das Bargeld abschaffen.

Nein, Ulvaeus ist keiner dieser leninistischen Spinner, die krisenbedingt immer lauter nach dem „Ende des Geldes“ schreien. Er will bloß die Banknoten und Münzen komplett durch Bankomat- und Kreditkarten ersetzt wissen. Warum? „Mir leuchtet nicht ein, warum wir noch weiter Geldscheine drucken sollen“, sagte der ehemalige Abba-Mann der Nachrichtenagentur „dapd“. Sein Sohn sei dreimal ausgeraubt worden. In einer bargeldlosen Gesellschaft wäre das nicht passiert, so Ulvaeus. Er ist nicht allein in seinem Kampf: Eine Allianz aus Politikern und Banken in Europa und Amerika hat sich dem Krieg gegen das Bargeld verschrieben. Angeblich soll damit die Steuerhinterziehung, die Geldwäsche und die Terrorismusfinanzierung bekämpft werden. Ob die Unterbindung von Barzahlungen dafür ein geeignetes Mittel ist, muss aber stark bezweifelt werden. Die Motive hinter dem Krieg gegen das Bargeld dürften komplexer sein – und die neuen Anti-Bargeld-Gesetze nicht ohne unangenehme Folgen für die Freiheit der Bürger.

weiter