Rezension: Der Wettbewerb der Gauner

Veröffentlicht: 28. März 2012 von infowars in Anarchie, Voluntarismus

von Carlos A. Gebauer

Ein Buch von Hans-Hermann Hoppe

Umwege, meinte Lao-Tse, erweitern die Ortskenntnis. Hans-Hermann Hoppe ist solche Umwege gegangen. Sein akademischer Lebensweg führte ihn über die Neomarxisten in Frankfurt am Main zu den Anarchokapitalisten nach Las Vegas und nun zu einem Privatgelehrtendasein in Istanbul. Wer aus solchen Breiten und Weiten schöpft, der weiß nicht nur, was er sagt. Er sagt es vor allem auch aus der Position eines Unabhängigen, der sich rückhaltlos nur noch seinem Gegenstand verpflichtet weiß. Und getreu der Erfahrung, dass mit der gedanklichen Durchdringung einer Erkenntnis die sprachliche Präzision ihrer Darstellung wächst, legt Hoppe hier ebenso chirurgisch klar wie thematisch ortskundig die wohl zentralen Schwachstellen unseres gegenwärtig im Westen gelebten, demokratischen Staatsmodells frei. So beschreibt er auf nur 73 Seiten die im gängigen Diskurs allzu gern übersehenen, tatsächlich aber sicher wesentlich neuralgischen Strukturmerkmale des Phänomens „Staat“, um sie dann einer gleichermaßen schonungs- wie schnörkellosen Analyse zu unterziehen.

Regeln für das menschliche Zusammenleben sind demnach notwendig, sobald mehr als ein Mensch auf einem Territorium lebt. Ihren normativen Zweck, einen gemeinsamen friedlichen Umgang mit knappen Gütern zu erreichen, verfehlen derartige Regeln für das Zusammenleben jedoch, wenn sie Konflikte unter den Beteiligten erzeugen, statt sie zu vermeiden. Wie soll nun aber, der gängigen Antwort nach, der Staat als letztverbindlich entscheidende Instanz Regeln gegen einen Regelbrecher dann durchsetzen, wenn er selbst dieser Regelbrecher ist? Welchen Polizisten ruft ein Bürger gegen einen Mann in seinem Vorgarten, wenn dieser Mann selbst schon ein Polizist ist? Wie insbesondere soll dies gelingen, wenn eben dieser Staat selbst sich aus Steuereinnahmen finanziert, die ihm der schutzsuchende Bürger nicht freiwillig (Zug um Zug gegen den konkreten Nachweis einer vertraglich zugesicherten Schutzzweck-Erreichung) bezahlt, sondern wieder unter staatlichem Zwang? Hoppe zieht hier den erschreckend naheliegenden, logischen Schluss: „Eine steuerfinanzierte Agentur, die beansprucht, Leben und Eigentum zu schützen, ist ein Widerspruch in sich: Ein enteignender Eigentumsschützer“. Und er räumt deswegen zugleich ebenso konsequent wie logisch folgerichtig mit der unverändert gerne bemühten historischen Idee von Thomas Hobbes auf, ausgerechnet ein Staat könnte die Lösung dieses Konfliktproblems sein. Im Gegenteil: „Wenn wir die Hobbessche Idee akzeptieren, dass für die Durchsetzung beidseitig anerkannter Regeln eine unabhängige Partei notwendig ist, würde dies die Bildung eines Staates gerade ausschließen. Es wäre dies ein schlagendes Argument gegen die Institution eines Staates.“

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