Archiv für 8. Dezember 2011

Bis in die 70er Jahre stellte die Pharmaindustrie Medikamente her, um Krankheiten zu heilen. Seitdem steht sie – zumindest teilweise – im Verdacht, dass sie auch Krankheiten schafft, um Medikamente zu verkaufen. Die in Forschung und Entwicklung getätigten Investitionen müssen sich nicht erst nach langer Zeit, sondern möglichst schnell rentieren – so fordert es eine kapitalistische Logik. Ob es sich um überhöhte Cholesterinwerte, Depressionen, bipolare Störungen oder Impotenz handelt – die Dokumentation versucht herauszubekommen, inwieweit Pharmabetriebe Strategien verfolgen, die Menschen in Kranke – das heißt in Medikamentenverbraucher – verwandeln. Dabei werden Mediziner und Gesundheitsbehörden zu mehr oder weniger passiven Komplizen dieser Methoden.
Schenkt man den Aussagen des Films Glauben, scheint die bewusste Förderung von Krankheiten, im Fachjargon auch „Condition Branding“ genannt, im Begriff zu sein, die moderne Medizin in ein riesiges Marketingunternehmen zu verwandeln, in dem die Wissenschaft in den Dienst der Industrie und nicht mehr in den der Patienten gestellt wird.

John Lanta

Heute treffen sich die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder in Brüssel. Ihre wichtigste Aufgabe: die Beschlüsse abzusegnen, die Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy (Spitzname: Merkozy) vor drei Tagen, am Montag, vereinbart hatten. Wichtigster Punkt darin, wenn man den Medien Glauben schenken darf: Vorverlegung der Machtergreifung durch den ESM (»Europäischer Stabilitätsmechanismus«) von 2013 auf 2012, genauer: Ende 2012. Alles: angeblich. Hintergrund: der ESM könne 500 Milliarden Euro bereitstellen, der von Spanien und Portugal bereits gefledderte, derzeit gültige ESFS (European System of Financial Supervision = Europäisches System der Finanzaufsicht) jedoch nur noch 250 Milliarden. Und natürlich gibt es schöne Szenarien, die alle nicht wesentlich weiterhelfen und deshalb wie Nebelkerzen wirken.

In Wahrheit läuft den Bankstern und ihren Helfern in den Regierungen eindeutig die Zeit weg. In den EU-Bevölkerungen sowie in der etablierten Politik regt sich Widerstand gegen die tödliche Würgeklammer aus unklugen und schädlichen Sparexzessen, wobei das anfeuernde Geheule aus den USA keineswegs hilfreich wirkt, während andererseits der Niedergang der Realwirtschaft nahezu überall außer in Deutschland dem ganzen Euro-Zirkus immer schneller den Boden entzieht.

Griechenlands Wirtschaft legt in diesen Wochen und Monaten laut quietschend eine Vollbremsung hin, mit gewaltigen Steuereinbußen, die nicht mehr refinanziert werden können.

Es schwirren Zahlen bis 40 Prozent durch die Insider-Kreise. Das hat verschiedene Gründe: Die Unfähigkeit der Behörden, der traditionelle Schlendrian, riesige Steuerhinterziehungen der Reichen, die außerdem inzwischen 300 bis 400 Milliarden ins Ausland geschafft haben dürften – unerreichbar für den Fiskus, eine Art Tsunami von Finanzgerichtsprozessen, dazu die explodierende Not von Geringverdienern, denen die Finanzbehörden in dieser Lage nicht durch Zwangseintreibungen den Hahn abdrehen wollen. In Wahrheit ist das Land finanziell bereits unregierbar – und wenn der Staat oder die EU jetzt mit Härte agieren, könnte auch noch die Kontrolle über die Straßen abhanden kommen und Anarchie um sich greifen. Dies wird nur deshalb hier so ausführlich beschrieben, weil am Beispiel Griechenland anschaulich vorgeführt werden kann, wohin der Euro-Wahnsinn in allen betroffenen Ländern über kurz oder lang führt. Wie ein Zug besinnungsloser Lemminge stürzt die Eurozone auf den Abgrund zu – mit Griechenland an der Spitze und bereits im freien Fall.

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