Lernen ohne Schule

Veröffentlicht: 22. Juli 2011 von infowars in Erziehung, Politik

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(05.06.2011) Dagmar Neubronner schildert in diesem Gespräch wie es kam, dass sie und ihr Mann trotz großer Bedenken den beiden Söhnen Moritz und Thomas erlaubten, frei zu lernen – ohne Schule und mittlerweile ohne jeglichen Pflichtunterricht.

 

Peter Schipek: Frau Neubronner – Sie sind die bekannteste Homeschooler-Familie Deutschlands. Was dürfen wir uns unter „Freilerner“ vorstellen, wie funktioniert „Homeschooling“?

 

Dagmar Neubronner: Streng genommen bezeichnen die beiden Begriffe ganz unterschiedliche Bildungsformen. In dem ZDF-Film 37 Grad zum Thema sind beide Formen angedeutet. Homeschooling ist eine Art Familien-Zwergschule zu Hause, bei der die Eltern als Lehrer fungieren und den Kindern einen festen Lehrplan vorgeben. Bei dem von unseren Söhnen praktizierten Freilernen folgen die Kinder ihren eigenen Entwicklungsimpulsen und entwickeln bzw. behalten selbst die Verantwortung für das, was sie tun wollen. Und sie wollen nicht abstrakt „lernen“, sondern handelnd leben. Wir Eltern unterstützen sie dabei in einer beratenden Funktion, sorgen für Material, geben Tipps und Anregungen, stehen für Erklärungen, Gespräche etc zur Verfügung, bieten Unternehmungen an und ermöglichen unseren Kindern den Alltag in der „realen“ Welt (auf die Schule ja nur vorbereiten soll), vertrauen aber ansonsten der „intrinsischen Lernmotivation“ unserer Kinder. In den meisten sogenannten Homeschool-Familien wird eine Mischform aus diesen beiden Polen gelebt. Viele starten mit stark strukturiertem Homeschooling und landen nach und nach beim Freilernen, weil die Eltern merken, wie stark der Impuls, die Welt zu erforschen bei ihren Kindern natürlicherweise ist. Es gibt eine sehr große Begeisterungskraft dafür, sich Kulturtechniken zu erarbeiten, kreativ zu sein und sich aktiv einzubringen, besonders wenn sich Kinder von der Schulerfahrung, die auf viele eher lähmend wirkt, erholt haben. Die Struktur dieses „informellen Lernens“ ist äußerlich meist erst im Nachhinein erkennbar, sie folgt dem inneren Entwicklungsplan eines jeden Kindes, ist daher vollkommen individuell und wird von den Kindern auch gar nicht als „Lernen“ erlebt, Auch jeder unserer Söhne folgt, obwohl sie sehr viel gemeinsam machen, einem ganz unterschiedlichen inneren Programm, das sich übrigens nicht um Lernen dreht, sondern um die Projekte, die sie verwirklichen wollen. Dabei erfolgt das Lernen nebenbei, unbemerkt und eingebettet in den begeisterten Eifer, mit dem sie ihre Pläne verfolgen. Wir als Eltern mussten erst lernen, dieses begeisterte Handeln als Lernen zu erkennen, denn es geht weit über abgepackte, zweckfreie Wissensmodule hinaus. Unsere Kinder interessieren sich z.B. nicht im Mindesten für Rechtschreibung, es gibt ja auch niemanden, der sie dafür lobt oder tadelt oder zensiert. Sie wollen aber mit ihrer eigenen Homepage eine gute Wirkung erzielen und möchten deswegen dort unter anderem keine Rechtschreibfehler haben. Also versuchen sie dafür zu sorgen. Sie würden aber nicht sagen „Ich lerne jetzt Rechtschreibung“. Sie optimieren einfach ihre Homepage.

 

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