Archiv für 11. Januar 2011

Millionen Menschen haben Lebensversicherungen abgeschlossen – nicht um Leben zu versichern, sondern um Altersvorsorge zu betreiben, Immobilien abzubezahlen oder schlicht als „Sparvertrag“. Doch die Rechnung könnte am Ende nicht aufgehen. – Sind Lebensversicherungen ein staatlich gedeckter Betrug? – Was tun? Weiterzahlen? Beitragsfrei stellen? Oder kündigen?

von Rico Albrecht

Wer hat sie nicht? Die kapitalvernichtende Lebensversicherung – des Deutschen liebstes Vorsorgeprodukt, das von der Versicherungsbranche mit freundlicher Unterstützung der demokratischen Politiker offiziell unter der Bezeichnung „Kapitalbildende Lebensversicherung“ vermarktet wird.

Gemäß einer Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV) gab es im Zuständigkeitsbereich der BRD 2008 insgesamt 92,8 Millionen solcher Verträge (1,1 Millionen weniger als im Vorjahr). Eingenommen wurden damit 79,6 Milliarden Euro.

Die versicherte Summe betrug 2008 insgesamt 2,5 Billionen Euro, was in etwa auch den garantierten Auszahlungen an die Versicherungsnehmer entspricht. Demgegenüber stehen Kapitalanlagen im Wert von 686 Milliarden Euro, die – so hofft man – bis zur Fälligkeit der Verträge noch deutlich gesteigert werden können, wie dies bei solchen Schneeballsystemen eben üblich ist.

Hier entsteht jedoch eine wachsende Deckungslücke, denn während einerseits immer mehr Verträge der geburtenstarken Jahrgänge zur Auszahlung fällig werden, schließen auf der anderen Seite immer weniger junge Menschen eine Lebensversicherung ab. Dies liegt neben der demographischen Entwicklung und dem sinkenden Garantiezins auch an der zunehmenden Aufklärung der jungen Menschen darüber, wie solche Systeme funktionieren. Diese Aufklärung findet statt, auch wenn diese wichtigen Themen in den staatlichen Schulen nach wie vor kaum behandelt werden.

Wie lange solche Produkte noch überleben, hängt jedoch wesentlich davon ab, dass langfristig mindestens so viele neue Verträge abgeschlossen werden wie alte ablaufen. Daneben ist es eine entscheidende Frage, ob die bestehenden Kunden ihre Verträge fortführen und Ihr Vermögen trotz globaler Schuldenkrisen weiterhin in Rückzahlungsversprechen investieren.

Die Versicherungskonzerne und ihre Interessenvertreter in den Parlamenten scheinen sich in dieser Frage nicht mehr ganz sicher zu sein, denn kaum beachtet von den Massenmedien wurde kürzlich Versicherungsaufsichtsgesetz § 89 in die Wege geleitet, ein Gesetz, das es unter anderem ermöglicht, Auszahlungen aus Lebensversicherungen zeitweise oder ganz zu stoppen, falls die Vermögenslage des betroffenen Unternehmens dies erfordert. Festgelegt wurde außerdem, dass die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterhin zu bezahlen, vom Auszahlungsstopp unberührt bleibt.

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