Reinhard Mey – Das Narrenschiff (live)

Veröffentlicht: 23. Oktober 2010 von infowars in Music, Video Clips

 

Das Narrenschiff

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken
In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.
Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale sind havariert,
Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,
Mutiert zu einem servilen, gift’gen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
Gekauft, narkotisiert und flügellahm,
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentier’n sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
Sie zieh’n wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlor’n,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor’n,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

Kommentare
  1. Frank56 sagt:

    Dieser Mann ist ein “kleiner Gott“, denn er packt die Wahrheit unserer Zeit in seine künsterische Form, einfach genial. Es ist ein Aufruf zum Handeln und sei es nur im Interesse unserer Kinder! Was ist der Unterschied zwischem Ihm und uns? Mit “uns“ meine ich diejenigen, welche sich auf den Seiten der alternativen Medien tummeln und sich nicht mit dieser momentan abzeichnenden Entwicklung der Globalisierung und dem Ziel der NWO abgeben wollen. Reinhard muss nicht anonym bleiben, denn er weiß mit seinem Ausdruck die Menschen hinter sich! Wir können uns jederzeit in der Anonymität verstecken. Das hat Vorteile, aber auch einen entscheidenden Nachteil! Wir glauben oftmals allein mit unserer Denkweise zu sein! Ich erinnere mich an einen jungen Mann, der in einem Blog schrieb “Ich trete für eine bessere Welt für alle ein und als ich den Knüppel der Polizei spürte und nach oben schaute, hatte ich das Gefühl ich bin allein“. Ich denke wir erreichen nichts, wenn wir nicht den Mut aufbringen aus der Anonymität herauszutreten und uns offiziell zu unserem Denken bekennen! Das schafft das Gefühl von Verbundenheit, und ich denke es werden sich immer mehr anschließen. Ein kleines Symbol (“Gegen den Strom“, oder ähnlich) an der Jacke, auf der Tasche oder sonst wo sollte zumindest erst einmal unsere Verbundenheit symbolisieren! Es sollte weltweit gelten, denn es betrifft schließlich alle Menschen auf diesem Planeten, unabhängig von Herkunft, Religion oder Rasse! Ich könnte mir auch einen freiwilligen Monatsbeitrag für diese “Dazugehörigkeit“ vorstellen. Es wäre ein Anfang für eine Welt frei von idiologischen Dogmen. Die Welt gehört nicht einer Elite von “geldgierig besessenen Übermenschen“, Sie gehört allen Menschen gleichermaßen! Das erfordert das Zusammenspiel / Übereinkunft derer, die dieselben Ziele haben. Ist dieser Gedanke unrealistisch oder gibt es ähnliches bereits?

  2. Josef sagt:

    der Gendanke ist sehr gut (=! ich würde gerne darüber „philosophieren“ wie man so etwas umsetzen könnte. Also wenn du lust hast, sende einfach eine email an mich josef_frank@hotmail.com

    LG

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