Archiv für 22. August 2010

Gerhard Spannbauer

Geld – genauer: Bargeld – ist die Wurzel allen Übels. Das scheint die Regierung Schwedens ihrer Bevölkerung einreden zu wollen. Das skandinavische Königreich will den Gebrauch von Bargeld drastisch einschränken, eine große Lobby setzt sich in einer breiten Kampagne sogar dafür ein, Bargeld komplett abzuschaffen. Die Begründung lautet: Münzen und Scheine verursachen Kriminalität. Passende Statistiken liegen schnell parat: Ein Viertel der schwedischen Angestellten ist angeblich schon Opfer von Raub und Gewalt geworden. Doch niemand soll Angst haben müssen, überfallen zu werden – darum will Schweden Bargeld abschaffen und vollständig auf den Gebrauch von giralem, also virtuellem Geld umschwenken. Praktisch, modern und sicher sei das – doch unter der Tarnkappe der Sorge um seine Bürger verbirgt der schwedische Staat ganz andere Absichten: Die Abschaffung des Bargelds kommt einer Bankrotterklärung der persönlichen Freiheit und Unabhängigkeit gleich.

Wie sich die schwedische Antibargeldlobby die Argumentation für eine rein virtuelle Währung zurechtbiegt, ist abenteuerlich. Die breite Allianz aus Unternehmensverbänden, Gewerkschaften und Behörden sieht im Bargeld die Wurzel der Kriminalität in Schweden. Eine geschickt lancierte Medienkampagne hat mittlerweile den Großteil der Schweden davon überzeugt, Bargeld als unnötig und der Kriminalität förderlich anzusehen und daher abschaffen zu wollen. Bargeld ist ein Quell von Gewalt und Delinquenz, so wird kolportiert. Um diese Botschaft zu transportieren, veröffentlicht die schwedische Bankgewerkschaft in regelmäßigen Abständen ein »Raubbarometer«, das Angst und Sorge in der Bevölkerung wie gewünscht weiterhin steigern soll.

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