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Die alten Schrauben sind müde

Veröffentlicht: 24. Juni 2010 von infowars in feminismus, Genderismus
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Eva Herman

Was ist eigentlich los bei Genders? Gibt’s die noch? Oder tun die nur noch so? Alice Schwarzer zum Beispiel: Sie hatte sich doch mächtig ins Zeug gelegt, damals, als Angela Merkel Bundeskanzlerin werden sollte. Unermüdlich gab sie Interviews zuvor, erklärte überall, warum Frauen die besseren Menschen und deswegen kompetenter seien für die höchsten Ämter im Lande. Und jetzt? Wo bleiben die aufmunternden Worte der Chef-Feministin Deutschlands, während Angie im Angesicht nationaler und internationaler Kameralinsen verzweifelt rudert und ums politische Überleben kämpft? Müsste es laut der beschworenen Frauensolidarität jetzt nicht heißen: In guten wie in schlechten Zeiten? Doch: Kein Wort der Zuversicht, kein helfender Griff unter die müden Arme der Staatschefin, deren derzeitige Physiognomie das verborgene Helfersyndrom schlagartig im Inneren eines jeden Menschen wachruft.

Schwarzer schweigt. Vielleicht, weil sie nichts zu sagen weiß zu diesem hoffnungslosen Fall? Vielleicht auch, weil sie einsehen muss, dass die besten Frauen bei aller Liebe auch nur Menschen sind? Wartet sie eventuell ab, wie die Sache ausgehen mag? Was jedoch fast noch schlimmer für ihre Fans erscheint, Frau Schwarzer reduziert sich auch bei Emma, ihrem Gender-Parteiorgan. Bisher erschien es pünktlich alle zwei Monate, jahrein, jahraus. Doch seit Anfang 2010 gibt es nur noch Vierteljahresausgaben. Warum? Geht ihr der Stoff aus? Ist sie müde geworden? Hat sie die Hoffnung aufgegeben, die Welt, das heißt die Geschlechter umzudrehen? Es sieht fast danach aus. Denn Alice Schwarzer ist nicht mehr die Kämpferin, die man bislang kannte. Oder warum schlägt sie ausgerechnet am internationalen Frauentag dessen Abschaffung vor? »Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März«, wetterte sie kürzlich in der Frankfurter Rundschau. Und weiter: »Machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer!« Wie bitte? Männer? Man reibt sich verwundert die Augen über derartig versöhnliche Töne. Aber gut, besser so als anders.

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