Archiv für 24. April 2010

Eva Herman

Bis vor fünf Jahren war es an der katholischen Liboriusschule, der einzigen Grundschule in Salzkotten, kein Problem, wenn die Eltern ihre Kinder nicht zum Sexualkundeunterricht schicken wollten. Doch seit die Schule eine neue Schulleiterin hat, wird gewaltsam in die Rechte der Familien eingegriffen. Thekla Tuschen, selbst Katholikin und studierte Theologin, will die ethischen Bedenken tiefgläubiger Baptisteneltern (evang. Kirchenfamilie) nicht akzeptieren. Sie besteht darauf, dass die Kinder zum Sexualkundeunterricht erscheinen, obwohl das Grundgesetz in dieser Auseinandersetzung eindeutig aufseiten der Eltern steht. Die Rektorin begründete ihre Entscheidung lapidar damit, die Sexualerziehung sei jetzt so verbindlich wie der Mathematikunterricht.

Wie aus dem Umfeld berichtet wird, soll Tuschen den betroffenen Eltern (siehe Teil I) nicht Glaubensüberzeugung, sondern Sturheit unterstellen. Dabei könnte sie eigentlich viel gelassener mit der Situation umgehen, denn sie als Schulleiterin hätte durchaus das Recht, die Kinder einfach vom Sexualunterricht zu befreien, wie ihr Vorgänger es auch tat. Sie tut es aber nicht, weil sie einfach nicht will, so Insider.

Doch scheint die Rektorin in diesem Fall nicht die Einzige zu sein, die selbst eher als stur bezeichnen werden könnte. Denn das Amt, welches durch sie eingeschaltet wird, könnte weitaus weniger drastische Maßnahmen gegen die Familien verhängen, als die Mütter und Väter gleich tagelang ins Gefängnis zu stecken: Es könnte Lohnpfändungen vornehmen oder den Gerichtsvollzieher schicken, der Pfändungen im Haus vornähme. Aber, man greift immer wieder in die Familie direkt ein, indem man ein Elternteil inhaftiert, ohne Rücksicht auf die innerfamiliären Auswirkungen!

Glaubt man vielleicht, auf diese Weise den Glauben der Eltern brechen zu können? Das wird wohl kaum möglich sein. Frau E., gerade aus der Haft entlassene Mutter von vier Kindern, sagt in einem Interview mit dem Kopp Verlag: »Ich würde es jederzeit wieder verhindern, dass mein Kind diesen Sexualkundeunterricht mitmacht. Wenn der Preis ein Gefängnisaufenthalt ist, dann muss und werde ich ihn bezahlen. Er ist zwar hoch, doch wenn ich meine Tochter damit vor diesen negativen Einflüssen bewahren kann und sie deswegen später ein besseres Leben haben wird, würde ich sogar ein ganzes Jahr dafür ins Gefängnis gehen.«

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