Wird Obama zulassen, dass der Bioanbau und die Bauernmärkte praktisch verboten werden? (Teil I)

Veröffentlicht: 8. April 2009 von infowars in Gesundheit, Obama
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Lincoln

By Craig Mackintosh, Editor for the Permaculture Research Institute
translated by Skeptiker2 and Alex Benesch from the original English Version


Ein mögliches neues, per Legislatur erzwungenes System, das die Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln regulieren soll und weitreichende und besorgniserregende Auswirkungen für jeden hat der Nahrung zu sich nimmt und der sich für Nachhaltigkeit einsetzt, liegt derzeit dem Kongress vor. Besonders hervorzuheben ist, dass die betreffenden Gesetzesvorschläge im Kongress einer neuen „Behörde für Lebensmittelsicherheit“ eine enorme Kontrollbefugnis verleihen könnten – das obwohl nicht detailliert beschrieben wird was diese neue Behörde mit dieser Macht anzustellen gedenkt …  Diese Meldung muß von jedem gelesen, überdacht und als Anlass für eigenes Handeln angesehen werden.

Hinweis: Falls sie es wünschen, können sie gerne meine Einleitung und auch die Hintergründe überspringen und direkt zum eigentlichen Kern des Themas gehen.

Ich habe einen Traum.

Ich träume von einer Zeit in der Regierungen aufhören, den Lobbyisten der Großkonzerne nachzugeben und beginnen, einen vernünftigen Übergang hin zu regionalen Nahrungsmittelsystemen im kleinen Maßstab anzureizen. Dieser Traum würde unsere derzeitige Abhängigkeit von (schnell schrumpfenden) Ölvorräten – mit ihren extrem hohen Kosten an menschlichem Leben sowie an ökonomischer und die Umwelt betreffender Zerstörung – im Prinzip
kurzschließen.

Angesichts der gegenwärtigen industrialisierten Landwirtschaft,
welche 10 Kalorien an fossilen Brennstoffen benötigt um eine einzige Kalorie in Form von Lebensmitteln zu erzeugen, sehe ich diesen Traum, wenn er sich nicht bald in eine Realität verwandelt, schnell zu einem Albtraum werden.

Ich träume von einer Zeit in der die lokalen Gemeinschaften die Kontrolle über ihr eigenes Schicksal zurückgewinnen und zusammenarbeiten; nicht für die Quartalsprofite von gesichtslosen Aktionären mit der Einstellung Es-kümmert-mich-einen-Dreck- weil-ich-euch-nicht-kenne, sondern für die Gesundheit ihrer Familien, ihrer Gemeinden und damit für die gesamte Landesbevölkerung; einer Zeit in der die Früchte ihrer Arbeit in nützliche Beiträge für die Gesellschaft umgewandelt werden, anstatt in eine Währung, die fortlaufend nach oben fließt an immer gieriger werdende Konzerne.

Ich träume von einer Zeit in der Begriffe wie „akzeptable Mengen“ und „empfohlene Höchstmenge“ bei Pestiziden und anderen Giften Geschichte sind. Eine Zeit in der wir nicht mehr die Wahrscheinlichkeiten in Kauf nehmen müssen; eine Zeit in der
die einzige „akzeptable Menge“ gleich Null ist.

Ich träume von einer Zeit in der die Leute erkennen, dass man sich nicht um sein Land kümmern kann oder eine optimale Produktivität erreichen kann, wenn man nicht darauf herumläuft und es bearbeitet, wenn man nicht sehr vertraut mit dessen ureigenen Besonderheiten  ist; und in der wir bedachtsame Verwalter unseres eigenen Stück Lands werden, die miteinander zusammenhängenden Auswirkungen von Bodenerosion, Boden- und Wasserverschmutzung, Kohlenstoff-/Fruchbarkeits-/Nähr- stoffverlust, Verlust an Pflanzen- und Tierarten, Klimawandel etc. erkennen; von einer Zeit in der wir stattdessen gelernt haben wie man die Produktivität nachhaltig optimiert, indem wir biologischen Synergien beobachten und mit jenen arbeiten, um das volle Potential der Natur zu realisieren.

Wird dieser Traum je wahr werden?

Im laufe des letzten Jahrzehnts verbreitete sich die Erkenntnis in     der Bevölkerung, dass unser zentralisiertes, industrielles Fabriksystem der Nahrungsmittelproduktion immer gefährlicher wird, immer grausamer – und sogar tödlich. Dies hat dazu geführt, dass Bauernmärkte und Modelle der gemeinschaftlich betriebenen Agrikultur immer beliebter wurden und immer mehr Landwirte wurden dadurch ermutigt, auf Bio umzustellen. Dies sind fantastische, positive Schritte die mich zu dem Glauben verleiten , dass meine Träume Wirklichkeit werden könnten.

Aber halt…

Hintergründe zu den Gesetzen, die gegenwärtig dem Kongress vorliegen

Um den Grad an Wandel zu steigern, müssen die Regierungen in aller Welt dies unterstützen – sie müssen diesen neuen Verbrauchertrend als ein Verlangen der Bevölkerung betrachten und sie müssen andere Richtlinien durchsetzen, welche gesunde Veränderungen in diese Richtung fördern.

Präsident Barack Obama verlautbarte, dass das System der Lebensmittelsicherheit der USA eine „Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung“ sei und eine Überarbeitung benötige.

Er äußerte die Warnung während seiner wöchentlichen Radio- und Fernsehansprache, als er den neuen Chef der Bundes- behörde für Ernährung und Arzneimittel (FDA) ernannte.
-BBC

Es gibt gute Gründe dafür, dass Obama so denkt.

Diese Ankündigung folgte auf eine ganze Reihe von Lebensmittelskandalen, die die US Verbraucher in den letzten Jahren aufgeschreckt haben.

Im Jahr 2006 mussten Tonnen von Spinat von Restaurants und Supermarktregalen entsorgt werden, nachdem Proben entdeckt wurden, die mit tödlichen Bakterien verseucht waren.

Letztes Jahr gab es eine ähnliche Rückrufaktion auf Grund von Salmonellen, die Pfeffer und Tomaten betraf.

… Insgesamt stieg laut einer Statistik des Weißen Hauses die Zahl der Fälle an verunreinigten landwirtschaftlichen Produkten und anderen Lebensmitteln auf fast 350 pro Jahr, während es Anfang der 1990er Jahre noch 100 waren.
– GoogleNews

Ein Debakel vor kurzem mit Erdnüssen ist ein weiterer Beleg und zeigt auch wieder das Scheitern des zügellos agierenden Kapitalismus der freien Märkte:

Die in Virginia ansässige Peanut Corp. of America machte ihre Produktionsanlage außerhalb von Blakeley in Südwest-Georgia dicht, als Regierungsfunktionäre die Spur eines tödlichen Salmonellen-Ausbruchs zu dieser Fabrik zurückverfolgten…..

Inspektoren der Bundesbehörde für Ernährung und Arzneimittel (FDA) erklärten, dass Manager der Fabrik Spuren von Salmonellen in ihren Erdnussbutterprodukten gefunden hatten, sie aber dennoch gesetzeswidrig weiterverkauften. Die Verantwortlichen der Fabrik gaben einen sehr einfachen Grund für die Zurückhaltung bei der Vernichtung dieser Produkte an – es hätte die Firma Geld gekostet.

Stattdessen bezahlten sie für die Dienste eines fremden Labors, welches die Sicherheit der Erdnussbutter bescheinigte.

Seitdem erkrankten über 500 Menschen in 43 Bundesstaaten an Salmonellen, die zu dieser Fabrik zurückverfolgt wurden  und manche andere starben wohl daran.
AJC.com

Aus einem aktuellen Artikel aus der NY Times:

Experten für das Gesundheitssystem schätzen, dass jedes Jahr 76 Millionen Menschen in den USA an verseuchtem Essen erkranken, hunderttausende ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen und ungefähr 5000 sterben.
– NY Times

Da die Finanzkrise sich weiter verschärft, kann man damit rechnen dass weltweit weiter Kosten eingespart werden, was die Wahrscheinlichkeit solcher Vorfälle erhöht.

Aber wohin genau wird uns die Notwendigkeit, gegen die nur zu häufig anzutreffende Mentalität „Profite über Menschen“ vorzugehen, treiben? Eine ziemlich gute Frage angesichts der vorgeschlagenen Gesetze, die gerade dem Kongress vorliegen.

Um was sich die Aufregung eigentlich dreht

Im Internet gibt es derzeit einige Aufregung über die Gesetze HR 875 und S 425. Der obige Videoausschnitt, bei dem es um diese beiden Gesetze geht, wurde bereits auf dutzenden Blogs verbreitet; Blogs, die eine Unmenge an besorgten Kommentaren erhalten von aufgewühlten, nervösen Bürgern über den Inhalt der Gesetze und über die möglichen Konsequenzen im Falle einer Verabschiedung.
Die befürchteten Folgen, wie von vielen Bloggern geäußert, sind dass diese Gesetze dazu führen könnten dass Bio-Bauernhöfe und jegliche andere „Nahrungsmittel produzierende Einrichtung“ oder
„Nahrungsmitteleinrichtung“ (diese Begriffe werden im Abschnitt 3 von HR 875 definiert), die die scharf durchgesetzten Richtlinien nicht einhalten welche von der neu formierten „Lebensmittelsicherheits- behörde“ (FSA) verordnet bzw. diktiert werden, als gesetzwidrig angesehen werden, indem es deren Recht zu produzieren aufhebt durch extrem hohe Strafen sowie teure und aufwendige Buchhaltungspflichten.

Ich konnte nicht wirklich viele von den Aussagen überprüfen, die in dem Videoausschnitt oben gemacht werden (wie z.B. dass Landwirte gezwungen würden, Pestizide zu benutzen, etc.). Dies brachte mich beinahe dazu, meine Befürchtungen als reine Schwarzmalerei abzutun. Nachdem ich jedoch diese betreffenden Dokumente und die Leute betrachtet und deren Potential analysiert hatte, kamen diese Sorgen mit aller Macht wieder zurück.

Was ich sagen kann ist, dass das Gesetz es der FSA erlauben würde „gute Standardverfahren festzulegen“ (welche potentiell alles mögliche sein könnten was nach Ansicht der FSA ein guter und sicherer Weg wäre, Lebensmittel herzustellen und zu verarbeiten) und ihr die Macht geben würde „die Beobachtung und Überwachung von Tieren, Pflanzen, Produkten oder der Umwelt durchzuführen“ und „Informationen zu sammeln und aufzubewahren, die die Gesundheit der Bevölkerung und die Produktionsmethoden in der Landwirtschaft betreffen“. Lebensmittelproduktions- und Verarbeitungs-Betriebe müssten sich bei der Behörde registrieren  und müssten der Behörde „Zugang zu sämtlichen Daten“ gewährleisten sowie „die Möglichkeit der Kopie der Daten, die direkt oder indirekt mit dem Unternehmen der Lebensmittel- produktion zu tun haben“, sodass die Behörde bestimmen kann, ob „die Lebensmittel verunreinigt, verändert oder anderweitig im Konflikt mit dem Lebensmittelsicherheitsgesetz stehen“.

Die Gesetze HR 875 (auch unter dem Namen „Verordnung über die Erneuerung der Lebensmittelsicherheit“ von 2009 bekannt) und
S 425 können sehr wohl eine schwerwiegende Bedrohung für die hehren und wachsenden Anstrengungen sein, welche viele Leute unternehmen um die Schäden, die nach Jahrzehnten der Gier der Konzerne und der reduktionistisch veranlagten, industrieabhängigen Wissenschaft entstanden sind, wieder zu beseitigen, oder es könnte ein würdiger Versuch sein, die sträfliche Vernachlässigung durch das große Agrobusiness auszumerzen.

Während ich die Gesetze las, fiel mir auf dass die Ausdrucksweise sehr allgemein und sehr vage war. Könnte ein gesetzeskundiger Leser mir hier eventuell helfen etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen?

Der wichtigste Punkt meiner Meinung nach ist: Was ist dieses Lebensmittelsicherheitsgesetz genau, das hier in Kraft treten würde? Eine Sache, die andere Blogger anscheinend nicht bemerkt haben ist, dass die genauen Details erst dann bekannt gegeben werden sollen, nachdem die Behörde ihre drakonische Macht gesichert hat:

In weniger als einem Jahr nach Inkrafttreten dieser Verordnung soll der Verwalter in Absprache mit dem Landwirtschaftsminister und den Vertretern der Landwirtschaftsministerien Richtlinien verkünden, um wissenschafts-basierte Minimum-Standards für die sichere Produktion von Lebensmitteln in Lebensmittelproduk- tionsanlagen durchzusetzen.
– Bill HR 875, Section 206

Kommentare
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