Amerikanische Tiefenereignisse und das weltweite Drogennetzwerk der CIA

Veröffentlicht: 2. April 2009 von infowars in Drogen, Geheimdienst, Geschichte, USA
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Von PETER DALE SCOTT, 30. März 2009 –

(Teil 1 von 3) Einleitung

Vor Kurzem habe ich zwei Artikel veröffentlicht, die auf suggestive Ähnlichkeiten der sich wiederholenden Tiefenereignissen („deep events“) der jüngsten amerikanischen Geschichte hinweisen – damit meine ich solche Ereignisse, die wegen ihrer geheimdienstlichen Nähe in den amerikanischen Medien ignoriert, verdreht oder verschleiert werden. Der erste dieser Artikel verwies auf die übergreifenden Ähnlichkeiten vieler Tiefenereignisse seit dem Zweiten Weltkrieg. Der zweite Artikel verwies auf die überraschenden Vergleichspunkte jener beiden Tiefenereignisse, auf die innerhalb kurzer Zeit zwei große amerikanische Kriege folgten: die Ermordung John F. Kennedys und der 11. September. Ich deutete an, dass es hinter diesen ganzen Ereignisse immer wieder Hinweise auf ein Milieu gab, das „Geheimdienstfunktionäre mit Leuten aus der Unterwelt des Drogenhandels“ in Verbindung brachte.

In diesem Artikel möchte ich zunächst einmal die komplexe Landschaft bzw. das komplexe Netzwerk dieses Milieus, das ich als weltweites Drogennetzwerk betitele, darlegen und seine Verbindungen zur so genannten „alternativen“ CIA oder „Schatten-CIA“ aufzeigen. Danach möchte ich veranschaulichen, wie dieses Netzwerk von Banken, einflussreichen Finanzhändlern und alternativer CIA zur Infrastruktur der Kennedy-Ermordung – und zu einer Reihe anderer, oberflächlich unverbundener, wichtiger Tiefenereignisse – beigetragen hat.

In dieser Schilderung sind die Namen einzelner Personen, ihrer Institutionen und ihrer Beziehungen relativ unbedeutend. Von Bedeutung ist stattdessen, dass solch ein Milieu existierte; dass es beständig war und geschützt wurde; und dass es, mit zunehmender Unabhängigkeit von Regierungsbeschränkungen, eine Rolle bei den wesentlichen Tiefenereignissen der letzten 50 Jahre gespielt hat.

Dies alles soll natürlich auch die hier näher zu untersuchende bedeutsame Hypothese stützen, dass dieses beständige Milieu auch zum Desaster des 11. September beigetragen haben mag.

Paul Helliwell, OPC und die CIA

In Gebieten, wo kommunistische Kräfte großen Rückhalt zu genießen scheinen, haben die Vereinigten Staaten immer wieder auf gewalttätige Unterstützung von Gangstern aus dem Drogenmilieu zurückgegriffen, zumindest seit 1945. Zuerst sind diese Arrangements, wie in Italien unmittelbar nach dem Krieg, nur kurzzeitig und ad hoc gewesen. Als Beispiel dient Vito Genovese, ein Mafiaboss aus New York, der als Übersetzer im Büro der Alliierten Militärregierung von Colonel Charles Poletti, einem früheren New Yorker Tammany Politiker eingesetzt war. Am 1. Mai 1947 soll William Donovan, mittlerweile Firmenanwalt und nicht mehr Leiter des „Office of Strategic Services – OSS“ (Amt für strategische Dienste), ein Massaker an politisch Linken in Sizilien finanziert haben, das von dem erst kurz zuvor deportierten Detroiter Mafiaboss, Frank Coppola, organisiert wurde.

Solche Arrangements wurden ab 1948, nachdem der neu geschaffene Nationale Sicherheitsrat das „Office of Policy Coordination“ (OPC) ins Leben gerufen hatte, noch weiter zentralisiert, um „Umstürze feindlicher Staaten“ durchzuführen – d.h. um Gesetzesbrechung als staatliche Politik einzuführen. Dank der OPC gaben die USA von nun an organisierten Drogenhändlern auf der ganzen Welt verdeckt beträchtliche Rückendeckung, im Fernen Osten, Europa, und schließlich auch im Nahen Osten und Lateinamerika.

Diese weltweiten Aktivitäten wurden immer mehr miteinander verknüpft. Seit spätestens 1950 gibt es ein weltweites CIA-Drogennetzwerk, das seitdem mehr oder weniger durchgängig betrieben wird. Besonders im Laufe der Zeit hat dieses Netzwerk zu bisher ungeklärten Tiefenereignissen beigetragen und die Konsolidierung einer Weltherrschaftsmentaliät vorangetrieben, sowohl im In- als auch im Ausland. Im Speziellen war dieses weltweite Drogennetzwerk für solch ungeklärte Tiefenereignisse wie die Ermordung John F. Kennedys, der Tonking-Zwischenfall 1964 und die Iran-Contra-Affäre ausschlaggebend.

Das weltweite Drogennetzwerk ist nicht bloß eine Nebenverbindung zwischen CIA-Agenten und ihren Drogenkontakten. Es ist stattdessen ein weltweiter Finanzkomplex aus heißem Geld, der wichtige Geschäfts-, Finanz-, Regierungs- und Gangsterpersönlichkeiten miteinander verbindet. Seinen eigenen politischen Einfluss erhält es aufrecht durch die systematische Bereitstellung von illegalen Geschäften, Gefälligkeiten und sogar Sex für Politiker auf der ganzen Welt, darunter auch Führungspersonen aus beiden Parteien in den USA. Das Ergebnis ist ein System, das man auch als Imperium der indirekten Herrschaft bezeichnen kann; ein System, das auf seiner Suche nach fremden Märkten und Ressourcen bereitwillig existierende Regierungen untergräbt, ohne dafür progressive Alternativen bieten zu können.

Ein bedeutender Organisator des globalen Drogennetzwerks der Nachkriegszeit — also neben CIA, organisiertem Verbrechen und ihren gemeinsamen Interessen am Drogenhandel — war der ehemalige OSS-Funktionär Paul L.E. Helliwell. Er war Chef der Sonder-Geheimdienstabteilung der OSS in Kunming und später Agent bei OPC und CIA. Außerdem war er gleichzeitig Eigentümer der Bank of Perrine in Key West, Florida, „ein doppelter Waschsalon für den Lansky-Mob und die CIA“, und deren Schwesterbank, der Bank of Cutler Ridge. Hier sieht man eine Reihe von miteinander verbundenen Mafia-CIA Geldwäschebanken im weltweiten Drogennetzwerk, von denen die größte zweifelsohne die Bank of Credit und Commerce International (BCCI) war.

Die wenigsten Menschen werden schon von Paul Helliwell gehört haben. Selbst einschlägige Bücher über die Verbrechen der CIA, wie z.B. Tim Weiners CIA: Die ganze Geschichte, erwähnen weder ihn, noch seine bedeutsame, mit der CIA in Verbindung stehende Bank, die Castle Bank auf den Bahamas, und nicht einmal die weitaus bedeutendere Nachfolgebank von Castle, die BCCI. In der Flut der CIA-Dokumente, die seit 1992 freigegeben wurden, findet man den Namen Helliwell weder in der Archivkartei des National Archive, noch in der des National Security Archive oder der Federation of American Scientists. In den millionenfachen freigegebenen Seiten, die auf der Homepage der Mary Ferrel Foundation gespeichert und katalogisiert sind, erscheint Helliwells Name genau einmal – und das auf einer Liste von Dokumenten, die 1974 während der CIA-Suche nach Aufzeichnungen zu Watergate (ausgerechnet!) von der Prüfung zurückgehalten worden waren. Dieses Schweigen, selbst in internen CIA-Akten, über den wichtigsten Architekten des CIA-Drogennetzwerks seit dem Zweiten Weltkrieg spricht Bände.

Das meiste, das wir über Helliwell wissen, stammt von der Medienreaktion auf den erfolgreichen Versuch der CIA, eine Untersuchung der amerikanischen Bundessteuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) zu blockieren. Mit dieser Untersuchung, bekannt als „Operation Tradewinds“, erforschte die IRS in den 1970er Jahren die Geldwäscheverwicklung von Helliwells Banken. Dieser Kampf zwischen Helliwell und der CIA begann 1972, als der IRS-Ermittler Richard Jaffe bei der Erforschung von Konten des kurz zuvor festgenommenen Marijuana- und LSD-Dealers Allan George Palmer feststellte, dass dieser „einen Teil seines Geldes persönlich bei der Perrine-Cutler Ridge Bank im Süden eingezahlt hatte“.

Jaffe erfuhr außerdem, dass das Geld in ein Konto bei einem bahamischen Unternehmen namens Castle Bank eingezahlt worden war. Laut Aussage von Jim Drinkhall im Wall Street Journal wurde diese Bank von Helliwell, der „an der Leitung eines Netzwerkes von geheimen CIA-Operationen und ‚Eigentümern‘ maßgeblich beteiligt war“, „ins Leben gerufen und vornehmlich geleitet“. Drinkhall schrieb, dass die CIA Jaffes Untersuchung über die Castle Bank abgebrochen habe, weil Castle

als Kanal für Millionen-Dollar-Beträge fungierte, die von der CIA für verdeckte Operationen gegen Kuba und für andere Geheimdienstoperationen in Ländern Lateinamerikas und im Fernen Osten vorgesehen waren.

Drinkhall beschrieb außerdem, wofür Helliwell wahrscheinlich am bekanntesten ist (und worüber ich in The War Conspiracy geschrieben habe):

1951 war Mr. Helliwell an der Gründung und Leitung des von der CIA kontrollierten Scheinunternehmens Sea Supply Corp. beteiligt. Über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren wurde Sea Supply genutzt, um riesige Mengen an Waffen und Ausrüstung an 10000 Truppen der chinesischen Nationalisten [KMT] in Burma und an die thailändische Polizei zu liefern.

Aber Drinkhall wies nicht auf die Tatsache hin, die heute nicht mehr angezweifelt wird: nämlich dass sowohl die KMT-Truppen in Burma als auch die thailändische Polizei die beiden hauptsächlichen Zweige des CIA-KMT-Burma-Thai Drogennetzwerks waren. Zusammen waren sie an der Verbreitung und am Handel von Opium auf dem Weltmarkt, die USA mit eingeschlossen, beteiligt.

Helliwells Gefälligkeiten für die CIA waren nicht nur auf den Fernen Osten beschränkt. Zusammen mit zwei Partnern aus dem KMT-Burma Drogennetzwerk, Frank Wisner von der CIA und General Claire Chennault von der CIA-Fluglinie CAT, betrieb Helliwell „schon 1953-54 CIA-Operationen in Mittelamerika. Zu der Zeit standen Guatemala und die guatemaltekische Regierung im Zentrum der Aufmerksamkeit.“

Wie auch Chennault und seine alten Partner aus seiner Zeit in China, Whiting Willauer und William Pawley, unterstützte Helliwell dann 1954 die CIA bei Operationen gegen Guatemala und, nach 1960, gegen Castro. Laut Drinkhall

sagte ein ehemaliger Bundesbeamter, der bei der Untersuchung gegen Castle mitgearbeitet hatte, dass „Castle als einer von mehreren CIA-Geldkanälen für Operationen gegen Kuba fungierte“. Mr. Helliwell soll angeblich einer der Zahlmeister für die unglückselige Schweinebucht-Invasion 1961 gewesen sein, sowie für weitere „aufwändige“ CIA-Operationen in ganz Lateinamerika.

Was den ehemaligen Häftling Wallace Groves und seine Beziehung zur CIA betrifft, wurde eine Anzahl von CIA-Dokumenten freigegeben, die diese Verbindung bestätigen. Aus einem dieser Dokumente geht hervor, dass

der Wallace GROVES, der gemäß Anhang Beziehungen zu Meyer LANSKY und der Firma Mary Carter Point Co./Resorts International, Inc. hatte, identisch ist mit dem Wallace GROVES aus der OS Akte #473 865. Diese Akte spiegelt wider, dass GROVES in der Zeit von April 1966 bis April 1972 für das [CIA] „Office of General Counsel“ von Interesse war. Hierbei ging es um die Verwendung von GROVES als Berater oder eventuellem Funktionär in einer der Einheiten des Projekts . . . (Text geschwärzt). Weitere Informationen in dieser Akte deuten darauf hin, dass GROVES mit Meyer Lansky in Verbindung stand.

Ich vermute, dass diese „Einheiten des Projekts . . . (Text geschwärzt)“ die Verwendung von undokumentierten Geldern vorsahen, die nicht im bewilligten CIA-Etat inbegriffen waren.

Helliwells Verbindung zu undokumentierten Operationen

Seit der Veröffentlichung von Drinkhalls Artikel wird Helliwell in fast jeder Referenz als Zahlmeister der Schweinebucht-Invasion dargestellt, eine Behauptung, der ich skeptisch gegenüber stehe. Aber man kann einen Eindruck des Ausmaßes von Helliwells finanziellen Verwicklungen mit der CIA gewinnen, wenn man sich die Verteilung von 5 Millionen Dollar aus einem anderen, mit Helliwell in Verbindung stehenden, Unternehmen namens Intercontinental Diversified (I.D.C.) anschaut. Dazu noch einmal Drinkhall:

„Obwohl es keinerlei Hinweise auf die CIA in dem SEC-Verfahren gegen Intercontinental gibt, machte ein ehemaliger CIA-Beamter kürzlich in einem Interview eine erstaunliche Aussage. Er gab an, dass zwischen 1970 und 1976 fast 5 Millionen Dollar aus Intercontinental-Geldern für CIA-Zwecke abgeschöpft wurden, ‚weil wir dort Freunde hatten‘. Tatsächlich scheint die CIA bessere Vereinbarungen gehabt zu haben als nur Freundschaft. CIA-Dokumente beweisen, dass Wallace Groves, der Gründer von Intercontinental und Eigentümer von 46 Prozent der Geschäftsanteile (bis er 1978 seine Beteiligung für 33,1 Millionen Dollar verkaufte) in der Zeit von 1965 bis 1972 verdeckt für die CIA arbeitete“.

Sicherlich überweisen Banker nicht Millionen-Dollar-Beträge aus reiner Freundschaft. Eine weitaus wahrscheinlichere Vermutung ist, dass Helliwell der Zahlmeister war – jedoch nicht für offiziell autorisierte Operationen wie die Schweinebucht-Invasion, sondern für die Ausgabe von Geldern aus undokumentierten Operationen, wie der KMT-Drogenausfuhr aus Burma, die von seinen eigenen Einrichtungen, den CIA-Eigentümern Sea Supply und Cat Inc. (später Air America) unterstützt worden sind.

Laut einer kategorischen Aussage von Jonathan Marshall „hat Helliwell CIA-Gelder über die Castle Bank auf den Bahamas gewaschen“. Doch diese Behauptung erfordert ein Klarstellung. I.D.C. war ein Ableger eines asiatischen Unternehmens, Benguet Mining, das von Helliwells Firma vertreten wurde und zu Teilen im Besitz des philippinischen Diktators Ferdinand Marcos war. Es landeten also Zahlungen aus Asien bei der I.D.C. und ich vermute, dass zur Finanzierung von undokumentierten Operationen vielmehr diese undokumentierten Gelder, als die Gelder aus dem vom Kongress autorisierten CIA-Etat von Helliwell genutzt wurden.

Eine dieser undokumentierten Operationen könnten Bestechungszahlungen an Politiker gewesen sein, die zuerst in den Bahamas zum Zuge kamen.

In den frühen 1970er Jahren berichteten IRS-Agenten von Beweisen aus Gesprächsabhörungen, laut derer Intercontinental dem Premierminister der Bahamas, Lyndon O. Pindling, 100 000 Dollar über die Castle Bank zukommen ließ, um der Holding eine zweijährige Verlängerung ihrer [Grand Bahama] Casino-Glücksspiellizenz zu gewähren.

Aber sowohl die CIA als auch das Casino neigten zur Korruption, und Castle war nur ein kleiner Spieler in einem Netzwerk aus Banken und Agenten, das Regierungen auf der ganzen Welt korrumpierte. Auf diese Weise wickelte Castle

auch mysteriöse Geschäfte mit einer Firma auf den Cayman Inseln, ID Corp., ab. Der Alleineigentümer von ID, der Amerikaner Shig Katayama, wurde bekannt durch seine Schlüsselrolle als Vermittler der riesigen Bestechungszahlungen von Lockheed Corp. an japanische Politiker (als Dank für Flugzeugverträge). Ein japanischer Journalist griff Katayama an und schrieb, dass es „sein wahrer Job (in den frühen 1950er Jahren) war, den Rauschgifthandel für den US-Geheimdienst abzuwickeln“.

Seit den 1960er Jahren, wenn nicht schon früher, nutzte die CIA ihr weltweites Netzwerk, um Nicht-Regierungsgelder, beispielsweise in Form von (an internationale Lockheed-Verkaufsverträge angekoppelte) Bestechungszahlungen, zu verteilen, z.B. durch einflussreiche Agenten, wie Adnan Khashoggi und Yoshio Kodama. Im Mai 1965, fünf Monate vor dem Anti-Sukarno-Coup im September 1965, wurden Lockheed-Bestechungsgelder in Indonesien von einem Anhänger Präsident Sukarnos zu einem neuen Mittelsmann umgeleitet, der den Sukarno-Gegner General Suharto unterstützte.

Dies passierte zu einer Zeit, als „der Kongress darüber überein gekommen war, dass amerikanische Finanzleistungen an das indonesische Militär (im Gegensatz zu Hilfszahlungen an andere Länder) als geheime Angelegenheit behandelt werden müssten. Die Kongressprüfungen von Entscheidungen des Präsidenten in Bezug auf die indonesische Hilfe wurden somit auf zwei Senatsausschüsse und den Sprecher des Repräsentantenhauses, die zum diesem Zeitpunkt mit der Aufsicht der CIA befasst waren, begrenzt“. Auf diese Weise wurden Lockheed-Zahlungen (bewerkstelligt durch Mittelsmänner) genutzt, um den ausgesprochenen Willen des US-Senats zu durchkreuzen. Dieser hatte eine Resolution verabschiedet, laut derer jegliche militärische Hilfe an Indonesien ausgesetzt werden sollte.

Helliwells Verbindungen zur Mafia

Aber Helliwells Verbindungen zur Mafia, und im Besonderen zu Meyer Lansky, stehen seinen CIA-Verbindungen in nichts nach. Lansky nutzte vorzugsweise die Bank of Perrine zur Verwahrung seiner Gelder, die auf diesem Wege von der Bank of World Commerce auf den Bahamas – 1961 von Lanskys rechter Hand John Pullman gegründet – die USA erreichten. Alvin Malnik, Lanskys Erbe in Miami Beach, war einer der Direktoren dieser Bank; Ed Levinson, ein Geschäftspartner von Lyndon Johnsons Senatsberater Bobby Baker, war einer der Anteilseigner. Baker wiederum war Schriftführer der Demokraten im US-Senat, bevor er wegen Steuerhinterziehung festgenommen und verurteilt wurde. Helliwell hatte eine zweite Verbindung zu Lansky durch seine Tätigkeit als Rechtsberater für die kleine Miami National Bank, die von Lansky genutzt wurde, um seine ausländischen Gewinne und undeklarierten Einnahmen der Las Vegas Casinos zu waschen.

Obwohl die Bank of World Commerce gewöhnlich als Mafiabank unter Lanskys Kontrolle beschrieben wurde, bot sie dennoch Zugänge zur internationalen Bankenlandschaft, an der die CIA ein Interesse hatte. Sie erhielt Geld von der International Credit Bank in der Schweiz, die von dem israelischen Waffenschmuggler Tibor Rosenbaum gegründet worden war, und agierte

als Banker bei Geschäfts-Jointventures zwischen europäischen Juden und dem israelischen Staat. Aber sie finanzierte auch die Beschaffung und den Transport von Waffen nach Israel und zu seinen Verbündeten, speziell in Afrika und Mittelamerika, und soll in Europa als Zahlmeister für Mossad, den israelischen Geheimdienst, aufgetreten sein.

Nach Aussagen von Alan Block hatte Pullmans Bank eine weitere Tochterbank auf den Bahamas, „die auf undurchsichtige Art und Weise mit der Intra Bank in Beirut, Libanon, vereint war“. Intra besaß das Casino de Liban, „dessen Glücksspiellizenz von Marcel Paul Francisi, Frankreichs vorderstem Heroindealer, kontrolliert wurde. Es gab Ermittler, die davon überzeugt waren, dass Lansky und Francisi im Heroinhandel zusammen arbeiteten, und dass Lansky und seine Partner auch einen Teil des Casinos besaßen“. Francisi tat sich mit dem libanesischen Morphium-Exporteur, Sami El Khoury, zusammen, der wiederum „langjährige Geschäftsbeziehungen“ zu Lucky Luciano, Lanskys Verbündetem in New York aus Vorkriegszeiten und späterem europäischen Hauptdrogenhändler, in Sizilien hatte.

Sami El Khoury genoss den Schutz der libanesischen Polizei, und möglicherweise auch den der CIA. Alfred McCoy hatte Einsicht in offizielle Schriftwechsel des Federal Bureau of Narcotics (FBN), in denen im August 1963 darüber diskutiert wurde, „ob man Sami El Khoury nun, da er aus dem Gefängnis entlassen worden ist, als Informanten nutzen sollte“. Einer der FBN-Briefpartner, Dennis Dayle, berichtete James Mills später, dass El Khoury, „einer der größten Drogenhändler aller Zeiten“, tatsächlich zum Informanten wurde. In den 1990er Jahren berichtete Dennis Dayle, mittlerweile pensionierter Hauptermittler der Drug Enforcement Administration im Nahen Osten, auf einer Anti-Drogen-Konferenz, dass „in den 30 Jahren meiner Tätigkeit bei der Drug Enforcement Administration und verwandten Behörden die Personen im Zielfeld meiner Ermittlungen beinahe ausnahmslos für die CIA arbeiteten“.

Auch die Castle Bank war ein „Mehrzweck-Waschsalon“, der sowohl der CIA als auch der Mafia von Diensten war. Das Interesse der Mafia an Castle wurde in Jim Drinkhalls Artikel aus dem Wall Street Journal nur sehr abgeschwächt dargestellt. Es wurde nur erwähnt, dass aus einer langen Liste von Kontenbesitzern bei Castle „drei Männer dabei waren – Morris Dalitz, Morris Kleinman und Samuel A. Tucker –, die in Dokumenten des Justizministeriums als Personen aus der organisierten Kriminalitätsszene beschrieben wurden“. (Kleinman und Helliwell betrieben gemeinsam zahlreiche Immobilieninvestments zusammen mit Burton Kanter, dem Anwalt aus Chicago, der mit Helliwell Castle Bank organisierte.)

Alan Block deutet an, dass Castle sich zu einer aktiven Bank wandelte, als es notwendig wurde, auf schnelle Weise Gelder von der Mercantile Bank and Trust auf den Bahamas (einer weiteren Helliwell-Bank, die „wie Castle als Kanal für CIA-Geld diente“) umzubuchen, weil diese im Untergang begriffen war. Die Gelder wurden „auf das energische Drängen“ von Kanter transferiert,

weil sich unter den Konten, die in Gefahr waren, eines befand, dass Morris Kleinman gehörte, einer berüchtigten Figur des organisierten Verbrechens aus den Tagen der Prohibition. Auf diese Angelegenheit bezogen behauptete Castles Präsident Sam Pierson, dass der Transfer notwendig geworden war, weil ansonsten „Kanter im Chicago River treibend enden würde“.

Kanter scheint auf Steuerangelegenheiten für die Legalisierung von Mafiavermögen spezialisiert gewesen zu sein. Zusätzlich zur Gründung der Castle Bank mit Helliwell, war er „energisch“ mit der La Costa Grundstückserschließung beschäftigt, an der auch der ehemalige Konsorte aus Cleveland, Moe Dalitz, beteiligt war. „Dalitz war Teilhaber an mehreren Casinos, darunter auch das Desert Inn und das Stardust Hotel“. Block sieht Kanter als das Verbindungsglied, durch welches La Costa hohe Finanzierung aus dem korrupten Pensionfonds Central States der Teamsters-Gewerkschaft erhielt: „Kanters Zugang zum Rentenfonds stammte wahrscheinlich von Allen Dorfman, einem Freund und Geschäftspartner. Dorfman war ein wichtiger Fonds-Funktionär und Ganove. Er wurde 1985 ermordet, um ihn daran zu hindern, über Mafiainvestitionen zu plaudern“.

Die CIA, die Mafia und ihre undokumentierten Operationen

Helliwell war weder das einzige CIA-Verbindungsglied zur Mafia, noch das höchste. 1960 wurden Pläne zur Ermordung Castros durch das CIA-Office of Security und den Verbindungsmann, Robert Maheu, initiiert, dessen unabhängiges Unternehmen mit der Hilfe eines Vorschusses vom Office of Security auf den Weg gebracht worden war. Es war Maheu, der John Roselli die Ermordungspläne von der CIA überbrachte.

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