Meuterei in der NATO: Die Craddock-Affäre und das Opium Afghanistans

Veröffentlicht: 1. Februar 2009 von infowars in Afghanistan, Deutschland, Drogen, Korruption, Krieg, Militär
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Wer in der deutschen Presse, Politik oder im Militär die Brisanz dieser Affäre erkannt hat, redet entweder über die unwichtigsten Details, übt sich in bizarren Floskeln, schweigt ganz oder ist einigermassen verwirrt.
Dabei ist der Kern dieses beispiellosen Vorgangs folgender:

Befehle des NATO-Militärbefehlshabers Bantz Craddock (auch Chef von EUCOM, Eurasienkommando der US-Streitkäfte) zur Aussetzung von nachrichtendienstlichen Aufklärungsmissionen und gezielten Tötungen von Zivilisten wurden durch seinen direkten Untergebenen Egon Ramms (deutscher Vier-Sterne-General und Kommandeur des „Allied Joint Force Command“ der NATO in Brunssum) verweigert.

Ein deutscher 4-Sterne-General meutert gegen den NATO-Oberbefehlshaber. Ein dickes Ding.

Die Affäre geriet ausgerechnet durch einen SpOn-Artikel vom 28.Januar in den Mittelpunkt öffentlichen Interesses. Dem ehrenwerten Blatt an der edlen Geheimdienstquelle wurde ein geheimer Befehl von NATO-Kommandeur Craddock an die Streitkräfte Afghanistans zugespielt.
Das Datum dieses Befehls blieb allerdings ungenannt.

Der Cradock-Befehl besagte, so SpOn, es sei

„nicht länger nötig, Geheimdienst-Aufklärung zu betreiben oder zusätzliche Beweise zu erbringen, ob jeder der Drogenhändler oder jede Drogen-Einrichtung in Afghanistan auch die Kriterien eines militärischen Zieles erfüllt“

Als Konsequenz dieser grundlegenden Veränderung der NATO-Kriegspolitik in Afghanistan wären Zehntausende Mohnbauern im völlig verarmten zentralasiatischen Land ins Visier der NATO-Bomber geraten.
Craddocks unmittelbar Untergebener Egon Ramms, deutscher General und Befehlshaber in der für Afghanistan zuständigen NATO-Basis in Brunssum, verweigerte dementsprechend schlicht die Umsetzung dieser selbst nach den völkerrechtlichen Gesetzen der Kriegführung illegalen und absurden Direktive.

Selbst aus dem ISAF-Hauptquartier in Kabul kam ein „Nein“ zur Craddock-Direktive. General David D. McKiernan, selbst US-General, verlautbarte dem SpOn-Bericht zufolge Richtung NATO-Oberbefehlshaber und EUCOM-Chef Craddock er schaffe durch diesen Befehl eine „neue Kategorie von feindlichen Militärkräften“ und „untergrabe“ die Grundlage der ISAF-Truppen in der Besatzungszone. Deren Politik sei es nämlich

„so wenig militärische Gewalt wie möglich einzusetzen und zivile Opfer so weit wie irgend möglich zu vermeiden.“

Abgesehen von dem Wahrheitsgehalt dieser Aussage: auch US-General McKiernan verweigerte demzufolge also den Befehl aus dem NATO-Hauptquartier.

Heute bestätigte die „Times“ die Spiegel-Story, zumindest in ihrer „Substanz“, wie es hiess.
Die Affäre nähre den von Beobachtern schon länger gehegten Verdacht, dass die US-Militärs die NATO-Alliierten dazu zwingen wolle mit dem Besprühen von Mohnfeldern n Afghanistan zu beginnen.

Nach immerhin über 7 Jahren Krieg ein interessanter Gedanke. Dass man ausgerechnet jetzt darauf kam. Und dann noch im befehlshabenden NATO-Hauptquartier.

DIE DROGENBARONE DER NATO

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer, der gestern wegen dem Bekanntwerden der Affäre aus dem Hemd sprang, hatte im September 2006 eine von der UNO geforderte Zerstörung von Opiumfelden im besetzten Afghanistan noch strikt abgelehnt. Es läge nicht im Mandat der Besatzungstruppen einen Kampf gegen Drogen zu führen, so der NATO-Generalsekretär damals.

Gleichzeitig entblödete sich die US-Regierung unter George W.Bush nicht im gleichen Jahr noch einen mit Bedauern geschwängerten Bericht herauszugeben, in welchem selbst zugegeben wurde dass mitten in der durch die eigenen Generäle kommandierten Besatzungszone in Zentralasien innerhalb von nur 11 Monaten des Jahres 2006 insgesamt 5644 Tonnen Opium produziert worden waren – ein Anstieg um 26 Prozent.

Die Anbaufläche war gleich um 61 Prozent gewachsen. Schon damals schätzte man, dass mehr als 90 Prozent des weltweiten Heroin-Konsums aus der NATO-Besatzungszone stammten.
Dies sei, so die US-Studie damals, „trotz aller Bemühungen zur Eindämmung“ nun einmal so passiert. Sehr bedauerlich.
Aber was solle man denn machen? Man sei ja nur die Besatzungsmacht.

Gleichzeitig zum Bekanntwerden der Studie feuerten ISAF-Truppen dann nach einer Explosion in der südafghanischen Stadt Kandahar laut Augenzeugenberichten wahllos auf die Einwohner und töteten eine Vielzahl völlig unschuldiger Zivilisten. Angebliche Ursache und zugleich Alibi für das Massaker: ein „Selbstmordanschlag“ der seit Jahren auf magische Art und Weise nachwachsenden selbstmordsüchtigen Afghanen.

„Kurz nach dem Anschlag haben die NATO-Kräfte damit begonnen, wahllos auf die Einheimischen zu feuern“, so dazu am Sonntag, dem 3.Dezember 2006 der Parlamentsabgeordnete Khalid Paschtun.  „Das Volk und ich als Parlamentsabgeordneter verurteilen diese Tat“, so Paschtun, die NATO-Truppen „behandeln jeden als Terroristen“.
Dazu die ISAF damals: man untersuche Vorwürfe, wonach ISAF-Soldaten nach dem Anschlag vom Sonntag „Warnschüsse“ abgebeben und Zivilisten getötet hätten.

Im Jahre 2007 wunderten sich Soldaten öffentlich auf US-Militärwebseiten, warum sie eigentlich auf Befehl Opiumfelder zu bewachen hätten anstatt sie zu zerstören. US-Kommandeure hätten ihnen erklärt, die Bauern würden sich sonst bei einem Vorgehen gegen ihre einzige Einkommensquelle „den Taliban“ zuwenden. Zitat des US-Leutnants Adam Lynch dazu:

„Es ist schon verrückt. Wir kommen hierher um die Taliban zu bekämpfen. Wir sehen das hier. Wir wissen dass das übel ist. Aber zur selben Zeit wissen wir dass es der einzige Weg für die Einheimischen ist Geld zu machen“

Woher nur der plötzliche Sinneswandel? Warum nun plötzlich, nach über 7 Jahren mindestens wohlwollenden Wegschauens gegenüber dem lukrativen Opiumanbau die Order aus dem NATO-Hauptquartier an die Truppen in Afghanistan gleich jeden einzelnen Mohnbauer zur Zielscheibe zu machen?

Nun – da gilt es erst einmal hinzuschauen, aus welcher Besatzungszone Afghanistans das Endprodukt Heroin eigentlich stammt. Und unter welcher Verantwortung es seit 7 Jahren angebaut wird.

98 PROZENT DES OPIUMS STAMMEN AUS DEM SÜDEN AFGHANISTANS

weiter…

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