Die Invasion Gazas: Operation Cast Lead, Teil einer breiteren militärisch-nachrichtendienstlichen Agenda Israels

Veröffentlicht: 7. Januar 2009 von infowars in Israel, Krieg, Völkermord
Schlagwörter:

Gaza

Michel Chossudovsky
Global Research
January 5, 2009

Die Bombardierungen aus der Luft sowie die anhaltende Bodeninvasion Gazas durch israelische Truppen müssen in einem historischen Kontext analysiert werden. Operation „Cast Lead“ ist ein sorgfältig geplantes Unterfangen, welches Teil einer breiteren Agenda ist die zuerst von der Administration Ariel Sharons im Jahr 2001 formuliert wurde:

„Quellen im Verteidigungs-Establishment sagten dass Verteidigungsminister Ehud Barak vor sechs Monaten die israelischen Verteidigungskräfte angewiesen hätte, sich auf die Operation vorzubereiten, obwohl Israel begonnen hatte, mit der Hamas ein Abkommen über eine Feuerpause auszuhandeln.“

(Barak Ravid, Operation „Cast Lead“: Israeli Air Force strike followed months of planning, Haaretz, December 27, 2008)

Israel hatte die Waffenruhe am Tag der US-Präsidentschaftswahlen, dem 4. November gebrochen:

„Israel benutzte diese Ablenkung, um mit der Bombardierung des Gaza-Streifens die Waffenruhe zwischen sich selbst und der Hamas zu brechen. Israel behauptete, dass diese Verletzung der Waffenruhe die Hamas davon abhalten sollte, Tunnel in israelisches Territorium zu graben. Am nächsten Tag startete Israel eine terrorisierende Belagerung Gazas; Nahrungsmittel, Treibstoff, medizinische Güter sowie andere notwendige Dinge wurden abgeschnitten im Zuge des Versuchs, die Palästinenser zu unterwerfen während gleichzeitig bewaffnete Einfälle durchgeführt wurden.

Als Reaktion feuerten die Hamas und andere in Gaza abermals krude, selbst hergestellte und hauptsächlich nicht zielsichere Raketen auf Israel. In den vergangenen sieben Jahren waren diese Raketen verantwortlich für den Tod von 17 Israelis. Im selben Zeitraum töteten israelische Blitzkrieg-Attacken tausende Palästinenser, was weltweite Proteste nach sich zog, bei den VN jedoch auf taube Ohren stieß.“

(Shamus Cooke, The Massacre in Palestine and the Threat of a Wider War, Global Research, December 2008)

Geplantes humanitäres Desaster

Am 8. Dezember war US Deputy Secretary of State John Negroponte in Tel Aviv für Diskussionen mit seinen israelischen Pendants, darunter der Direktor des Mossad Meir Dagan.
„Operation Cast Lead“ wurde zwei Tage nach Weihnachten gestartet. Sie wurde unter der Aufsicht des israelischen Außenministeriums an eine sorfältig entworfene internationale PR-Kampagne gekoppelt. Die militärischen Zielobjekte der Hamas sind nicht der Hauptzweck. Operation „Cast Lead“ ist  wohlüberlegt  dafür beabsichtigt, zivile Verluste hervorzubringen.

Mit was wir es zu tun haben ist ein „geplantes humanitäres Disaster“ in einem dicht bewohnten städtischen Gebiet in Gaza. (siehe Karte unten)

Gaza

Das längerfristige Ziel dieses Plans, wie es von israelischen Entscheidungsträgern formuliert wurde, ist die Vertreibung von Palästinensern von palästinensischen Gebieten:

„Terrorisiere die Zivilbevölkerung, was die maximale Zerstörung von Besitz und kulturellen Ressourcen garantiert… Das tägliche Leben der Palästinenser muss unerträglich gemacht werden: Sie sollten in Städten und Dörfern eingesperrt werden, davon abgehalten werden ein normales ökonomisches Leben zu führen, von Arbeitsstätten, Schulen und Krankenhäusern abgeschnitten werden; dies wird zur Auswanderung animieren und den Widerstand gegen zukünftige Vertreibungen schwächen.“

(Ur Shlonsky, zitiert von Ghali Hassan, Gaza: The World’s Largest Prison, Global Research, 2005)

„Operation gerechtfertigte Rache“

Ein Wendepunkt wurde erreicht. Operation „Cast Lead“ ist Teil der breiteren militärisch-nachrichtendienstlichen Operation, die zu Beginn der Regierung Ariel Sharons im Jahr 2001 begonnen wurde. Unter Sharons „Operation gerechtfertigte Rache“ waren F-16 Kampfflugzeuge ursprünglich verwendet worden um palästinensische Städte zu bombardieren. „Operation gerechtfertigte Rache“ war im Juli 2001 vom Stabschef der IDF Shaul Mofaz der israelischen Regierung von Ariel Sharon unter dem Titel ‚Die Zerstörung der palästinensischen Authorität
und die Entwaffnung aller Streikräfte‘ präsentiert worden.“

„Ein Notfallplan mit dem Codenamen Operation gerechtfertigte Rache wurde vergangenen Juni [2001] entworfen um die gesamte Westbank wieder zu besetzen sowie möglicherweise den Gaza-Streifen um den wahrscheinlichen Preis von ‚hunderten‘ israelischen Verlusten.“ (Washington Times, 19 March 2002)

Laut Janes ‘Foreign Report’ (July 12, 2001) hatte die israelische Armee unter Sharon ihre Pläne auf den neuesten Stand gebracht für einen „Angriff um die palästinensische Obrigkeit zu zerschlagen,
den Anführer Yasser Arafat zu verdrängen sowie um die Armee zu töten oder zu inhaftieren.“

„Rechtfertigung durch Blutvergießen“

Die „Rechtfertigung durch Blutvergießen“ war ein essentieller Bestandteil der militärisch-nachrichtendienstlichen Agenda. Die Tötung von palästinensischen Zivilisten wurde auf Basis von „humanitären Gründen“ gerechtfertigt. Militärische Operationen der Israelis wurden sorgfältig zeitlich abgestimmt um mit den Selbstmordattacken zusammenzufallen:

Der Angriff sollte nach Ermessen der Regierung nach einem großen Selbstmordbombenanschlag in Israel gestartet werden und weitläufig zu Todesfällen und Verletzungen führen, wobei das Blutvergießen als Rechtfertigung genannt werden würde.

(Tanya Reinhart, Evil Unleashed, Israel’s move to destroy the Palestinian Authority is a calculated plan, long in the making, Global Research, December 2001)

Der Dagan Plan

Operation gerechtfertigte Rache wurde auch als der „Dagan Plan“ bezeichnet, benannt nach General im Ruhestand Meir Dagan, der gegenwärtig dem Mossad vorsteht, Israels Nachrichtendienst.
Meir Dagan war Sharons Berater für nationale Sicherheit während der Wahlkampagne 2000. Der Plan war scheinbar vor Sharons Wahl zum Premierminister im Februar 2001 entworfen worden.

„Laut Alex Fishman, veröffentlicht in der Publikation Yediot Aharonot, bestand der Dagan Plan darin, die palästinensische Obrigkeit zu zerstören und Yasser Arafat ‚aus dem Spiel zu nehmen‘.“

(Ellis Shulman, „Operation Justified Vengeance“: a Secret Plan to Destroy the Palestinian Authority, March 2001)

„Wie im Foreign Report [Jane] berichtet und lokal von Maariv enthüllt wurde, sollte Israels Plan für die Invasion – namens gerechtfertigte Rache – unmittelbar nach dem nächsten Selbstmord-Bombenanschlag mit hohen Verlusten gestartet werden, rund einen Monat lang andauern und es wird erwartet dass er in dem Tod von hunderten Israelis und tausenden Palästinensern resultieren wird.“

Der Dagan Plan sah die sogenannte „Kantonisierung“ der palästinensischen Territorien vor; dabei sollten die Westbank und Gaza völlig voneinander abgeschnitten werden, mit separaten „Regierungen“ in den Territorien. Unter diesem Szenario, welches bereits im Jahr 2001 vorgesehen war, würde Israel

„separat mit den palästinensischen Mächten verhandeln die in den jeweiligen Territorien dominieren, palästinensische Kräfte die verantwortlich sind für Sicherheit, Nachrichtendienste und sogar für die Tanzim (Fatah).“

Der Plan ähnelt folglich der Idee der „Kantonisierung“ palästinensicher Territorien, die von mehreren Ministern vorgeschlagen wurde.

(Sylvain Cypel, The infamous ‘Dagan Plan’ Sharon’s plan for getting rid of Arafat, Le Monde, December 17, 2001)

Der Dagan Plan hat Kontinuität in der militärisch- nachrichtendienstlichen Agenda umgesetzt. Nach den Wahlen 2000 wurde Meir Dagan eine Schlüsselrolle zugeteilt.

„Er wurde zu Sharons ‚Mittelsmann‘ für Sicherheitsangelegenheiten mit Präsident Bushs Sonderabgesandten Zinni und Mitchell.“

Er wurde dann im August 2002 von Premierminister Ariel Sharon zum Direktor des Mossad ernannt. In der Zeit nach Sharon blieb er in dieser Position. Er wurde erneut bestätigt als Direktor des israelischen Nachrichtendienstes durch Premierminister Ehud Olmert im Juni 2008.

Meir Dagan war zusammen mit seinen amerikanischen Amtskollegen verantwortlich für diverse militärisch- nachrichtendienstliche Operationen. Es sollte erwähnt werden dass Meir Dagan als junger Oberst 1982 eng mit Verteidigungsminister Ariel Sharon bei den Überfällen auf palästinensiche Siedlungen in Beirut zusammengearbeitet hatte. Die Bodeninvasion Gazas 2009 weist eine große Ähnlichkeit auf mit der 1982 von Sharon und Dagan geleiteten Militäroperation.

Kontinuität: Von Sharon zu Olmert

Es ist wichtig, eine Anzahl an Schlüsselereignissen zu beleuchten die zu den Tötungen in Gaza unter Operation Cast Lead geführt haben:

1. Das Attentat auf Yasser Arafat im November 2004. Dieses Attantat lag seit 1996 auf dem Reißbrett unter „Operation Fields of Thorns“. In einem Dokument vom Oktober 2000,

„das von den Sicherheitsdiensten auf Anordnung vom damaligen Premierminister Ehud Barak erstellt worden war, heißt es: Arafat, die Person, ist eine ernste Bedrohung für die Sicherheit des Staates [Israels] und der Schaden der aus seinem Verschwinden resultieren wird ist geringer als der Schaden der durch seine Existenz hervorgerufen wird“.

(Tanya Reinhart, Evil Unleashed, Israel’s move to destroy the Palestinian Authority is a calculated plan, long in the making, Global Research, December 2001. Details of the document were published in Ma’ariv, July 6, 2001.).

Das Attentat auf Arafat war im Jahr 2003 vom israelischen Kabinett angeordnet worden. Es wurde von den USA abgesegnet, die ein Veto einlegten gegen eine Sicherheitsresolution der Vereinten Nationen, welche die Entscheidung des israelischen Kabinetts von 2003 verurteilte. Als Reaktion auf die erhöhten palästinensichen Angriffe erklärte der israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz im August 2003 gegenüber jenen Kämpfern einen „totalen Krieg“, denen er geschworen hatte dass sie „für den Tod vorgemerkt“ seien.

„Mitte September verabschiedete Israels Regierung ein Gesetz um Arafat loszuwerden. Israels Kabinett für Angelegenheiten im Bereich politische Sicherheit nannte es ‚eine Entscheidung um Arafat als ein Hindernis für Frieden zu entfernen‘.

Mofaz drohte: ‚Wir werden die richtige Art und die richtige Zeit wählen um Arafat zu töten.‘

Der palästinensiche Minister Saeb Erekat sagte gegenüber CNN dass seiner Ansicht nach Arafat das nächste Ziel sein werde. CNN fragte den Sprecher Sharons namens Ra’anan Gissan, ob die Abstimmung die Vertreibung Arafats bedeute. Gissan erläuterte:

‚Das bedeutet es nicht. Das Kabinett kam heute überein um dieses Hindernis zu entfernen. Über den Zeitpunkt, die Methode, die Wege auf denen dies geschehen wird, wird separat entschieden werden und die Sicherheitsdienste
werden die Situation beobachten und die Empfehlung über die angemessene Vorgehensweise geben.“

(siehe Trish Shuh, Road Map for a Decease Plan, http://www.mehrnews.com November 9 2005 )

2. Die Entfernung aller jüdischen Siedlungen in Gaza auf Befehl des Premierministers Ariel Sharon im Jahr 2005. Eine jüdische Einwohnerschaft von über 7.000 Personen wurde umgezogen.

„Es ist meine Absicht [Sharon] eine Evakuierung durchzuführen – entschuldigen sie, eine Umsiedelung – von Siedlungen die uns Probleme bereiten in Orten, die wir sowieso nicht in einer letzendlichen Einigung halten werden, wie die Gaza-Siedlungen… . Ich arbeite unter der Annahme dass es in der Zukunft keine Juden in Gaza geben wird,‘ sagte Sharon.“

(CBC, March 2004)

Die Siedlungen in Gaza wurden als Teil von Washingtons „Straßenkarte zum Frieden“ präsentiert.

Während diese Vorgehensweise von den Palästinensern als „Sieg gefeiert“ wird, richtete sich diese Maßnahme nicht gegen die jüdischen Siedler. Ganz im Gegenteil: Es war Teil der verdeckten Operation die daraus bestand,
Gaza in ein Konzentrationslager zu verwandeln. Solange jüdische Siedler in Gaza lebten, konnte das Ziel eines eingedämmten Territoriums nicht erreicht werden. Die Implementierung von „Operation Cast Lead“ setzte „keine Juden in Gaza“ voraus.

3. Über den Bau der berüchtigten Apartheid-Mauer wurde zu Beginn der Sharon-Regierung entschieden (siehe Karte unten).

Gaza

4. Die nächste Phase war der Wahlsieg der Hamas im Januar 2006.

Die militärisch-industriellen Architekten in Israel wussten, dass ohne Arafat die Fatah unter Mahmoud Abbas die Wahlen verlieren würde. Dies war Teil des Szenarios welches lange zuvor geplant und analysiert worden war. Mit der Hamas an der Spitze der palästinensichen Authorität würde Israel unter dem Vorwand, dass die Hamas eine Terrororganisation sei, den Prozess der Kantonisierung durchführen wie er unter dem Dagan-Plan formuliert wurde. Die Fatah unter Mahmoud Abbas sollte formell die Westbank regieren. Die ordnungsgemäß gewählte Hamas-Regierung würde auf den Gaza-Streifen beschränkt bleiben.

Bodenangriff

Am 3. Januar fielen israelische Panzer und Infanterieeinheiten in Gaza ein im Zuge einer Bodenoffensive:

Israelische Quellen legten eine langwierige Militäroperation nahe. Es „wird nicht einafach sein und es wird nicht kurz sein,“ sagte Verteidigungsminister Ehud Barak in einer TV-Amsprache. Israel will die Hamas nicht zu einer Kooperation bewegen. Mit was wir es zu tun haben ist die Implementierung des Dagan-Plans, der folgendes forderte:

„eine Invasion von palästinensich kontrolliertem Territorium durch rund 30.000 israelische Soldaten, mit der klar umrissenen Mission, die Infrastruktur der palästinensichen Führung zu zerstören, die Waffen beschlagnahmen die sich gegenwärtig im Besitz der verschiedenen palästinensichen Streitkräfte befinden und die militärische Führung zu töten oder zu vertreiben.“

(Ellis Shulman, op cit, emphasis added)

Die weitreichendere Frage ist, ob Israel und Washington sich gemeinsam geeinigt haben auf eine Ausbreitung des Konflikts.
Eine Massenvertreibung könnte in einer späteren Phase der Bondeninvasion erfolgen, falls die Israelis die Grenzen Gazas öffnen um einen Massenexodus zu gestatten.
Eine Vertreibung wurde von Ariel Sharon als eine „Lösung im Stil von 1948“ beschrieben. Für Sharon „ist es nur wichtig, einen anderen Staat für die Palästinenser zu finden“.

‚Jordanien ist Palästina‘ war die Phrase die Sharon prägte.

(Tanya Reinhart, op cit)

Kommentare
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