Vom Wohlfahrtsstaat in die Pleiterepublik

Veröffentlicht: 19. Juni 2012 von infowars in Politik, Wirtschaft, Wirtschaftskrise/ Finanzkrise

Michael Brückner

 

Der Weg in den Schuldenstaat wurde lange vor der Bankenkrise eingeschlagen. Schrittweise wuchs der Aufgabenbereich der Staaten. Parallel dazu wurde der mündige Bürger zum betreuten Bürger – ausgeliefert einem Kartell aus sozialpolitischen Gutmenschen, die in den Parteien den Ton angeben, mächtigen Lobbygruppen aus der Wohlfahrtsbranche und einem Bürokratenheer der umverteilenden Volksbeglücker. Der Preis ist hoch. Denn wenn der paternalistische Staat pleitegeht, geht nicht der Staat, sondern es gehen seine Bürger pleite. In seinem neuen Buch weist der Wirtschaftsredakteur Rainer Hank mögliche Notausgänge.

 

Der Staat sei das kälteste aller kalten Ungeheuer, wusste schon Friedrich Nietzsche. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Er ist nämlich auch das gefräßigste aller gefräßigen Ungeheuer. Ein offenkundig untherapierbarer Nimmersatt. Haben Sie sich schon gewundert, dass die Staaten sogar in wirtschaftlichen Boomzeiten, wenn die Steuerquellen besonders üppig sprudeln, nie mit dem Geld auskommen, das sie den Bürgern abverlangen?

 

Rainer Hank, leitender Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, kennt den Grund: Der Staat habe sich übernommen. Er lebe üppig und auf Kosten künftiger Generationen, schreibt Hank in seinem neuesten Buch Die Pleiterepublik.

 

Doch merkwürdig: Warum begehren die Bürger, die schleichend enteignet und von einer zunehmenden Sozial- und Steuerbürokratie drangsaliert werden, nicht auf? Jeder weiß, dass die Schulden von heute die Steuererhöhungen von morgen sind. Aber warum lassen die Bürger das Kartell der Verschwender und Schuldenmacher einfach gewähren und geben sich mit der Ausrede zufrieden, letztlich sei die Bankenrettung für den dramatischen Anstieg der Staatsschulden verantwortlich? Die Zockerei der Finanzinstitute hat die staatlichen  Schuldenprobleme sicher verschärft, aber gewiss nicht ausgelöst.

 

Man muss also tiefer schürfen, um der Ursache der Schuldenlawine auf den Grund zu gehen. Am Anfang steht die Frage, weshalb die Bürger mit wachsendem Wohlstand immer unselbstständiger und betreuungsbedürftiger werden. Für Rainer Hank ist die Antwort klar: Der Schuldenstaat hat seine Bürger entmündigt. Er ist in die Rolle der »Super-Nanny« geschlüpft, und die entmündigten Bürger vertrauen darauf, dass ihnen ein starker Staat bei allen Fährnissen des Lebens zur Seite steht. Die Segnungen sozialer Wohltaten genießen die Empfänger sehr konkret – die wachsende Schuldenlast und die daraus resultierenden Risiken hingegen sind lange Zeit eher abstrakt. So lange, bis die staatliche Schuldenblase platzt.

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