Klassen = Kasten? Über die Unzulänglichkeiten des Marxschen Klassenbegriffs

Veröffentlicht: 19. Juni 2012 von infowars in Kommunismus
Die ”großen” Männer des Sozialismus: Marx, Engels, Lenin,
Stalin, Mao Tsetung
von Tomasz M. Froelich
Wer schon mal das ”Manifest der Kommunistischen Partei” gelesen oder im ”Kapital” geschnuppert hat, wird schnell feststellen, dass Karl Marx vom sogenannten ”Klassenkampf” besessen war. Dieser äußere sich, so Marx, in einem unversöhnlichen Konflikt zwischen den ökonomischen Klassen, in die die kapitalistische Gesellschaft geteilt sei. Konträre Interessen der jeweiligen Klassen und deren Verschärfung durch das kapitalistische System seien für den Klassenkampf verantwortlich, welcher eines Tages nur durch den Sieg des Sozialismus verschwinden könnte.
Was aber ist eine Klasse? Marx liefert, trotz seines übermäßig häufigen Gebrauchs dieses Wortes, keine Definition. Bezeichnenderweise bricht das Manuskript des 3. Bandes seines Hauptwerks – ”Das Kapital” – an der Stelle ab, an der er über den sein Gesamtwerk prägenden Begriff Aufklärung geben wollte. Ludwig von Mises merkte in seiner Schrift ”Die Bürokratie” richtig an:
”Weder Marx noch irgend jemand aus dem Heer der marxistischen Schriftsteller konnte uns verraten, was eine soziale Klasse ist, und noch weniger, ob solche Gesellschaftsklassen wirklich die ihnen von der Doktrin zugeschriebene Rolle für die Gesellschaftsstruktur spielen.” (Mises 1944/2004: 104). Eine wirkliche Definition des Klassenbegriffs ist Marx nie gelungen und wäre wohl auch nicht in seinem Interesse gewesen, da sie den Nutzen seines Gesamtwerks für die Entlarvung sozialer und wirtschaftlicher Probleme wohl nur noch weiter diskreditiert hätte.
Marx machte den Fehler, gesellschaftliche Klassen mit Kasten gleichzusetzen. Im Kastensystem, welches zum Beispiel im heutigen Indien noch geläufig ist, wird man in eine Kaste geboren und bleibt dieser bis zum Lebensende stets erhalten. ”Auf- und Abstiege” in höhere und niedrigere Kasten sind nicht möglich. Im kapitalistischen System, welches Marx zufolge grob verkürzt durch die zwei kämpfenden Klassen der Kapitalisten und Arbeiter geprägt ist, kann man als Arbeiter anfangen und als Großkapitalist aufhören – und umgekehrt. Man muss nicht zwangsläufig ein Leben lang der vom Kapitalisten ausgebeutete Arbeiter sein, den Marx permanent vor Augen hatte. Kasten sind unveränderlich, Klassen, wie sie von Marx erläutert wurden, hingegen schon. Die Kräfte des Marktes, die Entscheidungen der Verbraucher generieren ständige Veränderungen in der Zusammensetzung der Klassen. Jeder kann auf- und absteigen und ist seines Glückes Schmied. Marx verkannte offensichtlich die Dynamik des kapitalistischen Systems.
Kommentare
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